Du kennst den Moment: Der Kunde fragt nach dem Preis für die Dachsanierung, und du rechnest im Kopf mit dem Satz, den du seit Jahren nimmst. Der Satz stammt aus einer Zeit mit anderen Löhnen, anderen Spritpreisen und einem anderen Fahrzeug. Eine saubere Kalkulation beginnt deshalb beim eigenen Stundenverrechnungssatz. Diese Seite zeigt dir den Rechenweg. Die Zahlen in den Beispielen sind Beispielwerte, keine Richtwerte. Setz deine eigenen ein.
Der Stundenverrechnungssatz besteht aus vier Teilen
Den Anfang macht der Lohn deiner Mitarbeiter, so wie er auf der Lohnabrechnung steht. Darauf kommen die Lohnzusatzkosten: Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, Beiträge zur Berufsgenossenschaft, Urlaub, Feiertage, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und tarifliche Leistungen. Dein Steuerbüro kennt diese Beträge aus der Lohnbuchhaltung.
Der dritte Teil sind die Gemeinkosten. Dazu zählen Fahrzeuge, Werkstatt und Lager, Versicherungen, Büro, Software, Werkzeug und die Zeit, die du mit Angeboten und Rechnungen verbringst. Als Inhaber setzt du hier auch deinen eigenen Unternehmerlohn an. Der vierte Teil ist der Zuschlag für Wagnis und Gewinn. Er deckt Ausfälle und finanziert Rücklagen und Investitionen.
Produktive Stunden entscheiden über den Satz
Du verteilst alle Kosten auf die Stunden, die du einem Kunden berechnen kannst. Das sind weniger, als deine Leute anwesend sind. Fahrten zur Baustelle, Material holen, Regentage, Aufräumen in der Halle und Schulungen kosten Lohn, tauchen aber auf keiner Rechnung auf.
Rechne deshalb so: Jahresstunden pro Mitarbeiter minus Urlaub, Feiertage und Krankheit ergibt die Anwesenheit. Davon ziehst du die Stunden ab, die du nicht abrechnest. Den Anteil schätzt du aus deinen Stundenzetteln der letzten zwölf Monate. Rechnest du mit zu vielen produktiven Stunden, kalkulierst du jeden Auftrag zu billig.
Der Rechenweg in drei Schritten
Erster Schritt: Du addierst Lohn und Lohnzusatzkosten aller gewerblichen Mitarbeiter für ein Jahr. Zweiter Schritt: Du addierst die Gemeinkosten des Jahres einschließlich deines Unternehmerlohns. Dritter Schritt: Du teilst die Summe durch die produktiven Stunden aller gewerblichen Mitarbeiter und schlägst Wagnis und Gewinn auf. Das Ergebnis ist dein Stundenverrechnungssatz ohne Umsatzsteuer.
Ein Beispiel mit runden Werten: Ein Betrieb mit drei Gesellen zahlt im Jahr 150.000 Euro Lohn und 105.000 Euro Lohnzusatzkosten. Die Gemeinkosten mit Unternehmerlohn liegen bei 120.000 Euro. Die drei Gesellen kommen zusammen auf 4.200 produktive Stunden. 375.000 Euro geteilt durch 4.200 Stunden ergibt 89,29 Euro. Mit 10 Prozent Wagnis und Gewinn landet der Betrieb bei 98,21 Euro je Stunde. Alle Zahlen in diesem Absatz sind ausgedacht und dienen nur dem Rechenweg.
Material, Gerüst und Entsorgung getrennt ansetzen
Den Stundenverrechnungssatz nutzt du für den Lohnanteil. Material kalkulierst du mit deinem Einkaufspreis und einem Materialzuschlag für Bestellung, Lager, Transport und Verschnitt. Gerüst und Entsorgung setzt du als eigene Positionen an. So sieht der Kunde, wofür er zahlt, und du siehst nach dem Auftrag, wo du gut oder schlecht gerechnet hast.
Ein Beispiel aus dem Alltag: Du sanierst ein Steildach mit 180 Quadratmetern. Du rechnest die Lohnstunden aus deinen Erfahrungswerten für Abdecken, Lattung, Unterdeckung und Neueindeckung, Material nach Aufmaß mit Verschnitt, dazu Gerüst für die Standzeit und Container für die alten Ziegel. Fehlt der Container im Angebot, zahlst du ihn selbst.
Zweites Beispiel: Eine Reparatur am Flachdach eines Carports dauert zwei Stunden. Mit Anfahrt, Material holen und Aufräumen bist du einen halben Tag unterwegs. Setz für kleine Aufträge eine Anfahrts- oder Mindestpauschale an, sonst kostet dich der Auftrag Geld.
Nachkalkulation: Hat der Preis gestimmt?
Nach dem Auftrag vergleichst du die kalkulierten mit den tatsächlichen Stunden und dem tatsächlichen Material. Lagst du bei Steildächern regelmäßig über den geplanten Stunden, passt du deinen Erfahrungswert an. Ohne Nachkalkulation wiederholst du denselben Fehler im nächsten Angebot. Die Zahlen dafür hast du in den Stundenzetteln und den Lieferscheinen.
Roofsoft soll Kalkulation und Nachkalkulation zusammenführen: Aufmaß, Stunden und Material landen am selben Auftrag. Den Start erfährst du über den Newsletter.